Montag, 6. August 2018

Ich packe meinen Koffer und nehme mit...

Ich wühle auf dem Dachboden in meinen Schränken und überlege, welche Klamotten ich noch auf den Stapel vor mir legen kann. Packen nach dem Motto: „Wenn es gut genug aussieht, um die Wäsche aus dem Keller zu holen, kommt es mit.“ Ich weiß nicht, wann ich mal so darauf bedacht war, bewusst Sachen mitzunehmen, die einfach aussehen als würde ich für eine 10-tägige Pyjama-Party packen. Hauptsache schlabberig und bequem. Und wisst ihr, was das Geilste daran ist? 10 Tage nicht sprechen bedeutet: Mir wird weder jemand Komplimente für meine sexy gestreifte blaue Schlafanzughose machen, noch mir sagen können, dass ich einfach aussehe als hätte ich den Wühltisch von Kik leergekauft.

Das bedeutet außerdem: 10 Tage keine Schminke, 10 Tage Chill-Look und 10 Tage Freiheit für die Boobs. YAY.

Es ist wirklich witzig, nach was für Dingen man Ausschau hält, wenn man versucht, sich bestmöglich auf 10 Tage „Nichtstun“ vorzubereiten. Ich hätte ja niemals gedacht, dass ich mal ein Moskitonetz und so einen Tesa Powerstrip-Deckenhalter mit in den Urlaub nehmen würde. Aber ich hasse Kakerlaken und ich verpflichte mich bei Vipassana, die Viecher nicht einfach plattzuhauen. Also muss ich alles in meiner Macht stehende tun, damit sie gar nicht erst auf die Idee kommen, sich meinen geilen Look mal aus der Nähe anzuschauen. Irgendwie werde ich das Ding schon an der Decke und notfalls an der Wand befestigen und mir eine kleinen ungeziefer- und mückenfreien Palast bauen.

Ich hätte außerdem nicht gedacht, dass ich mal bei New Yorker frage, ob ich auf die schwarze Schlabberhose mit den 2 kleinen Löchern im Schritt noch ein bisschen Rabatt bekomme, wenn ich sie trotzdem kaufe. Sieht scheiße aus. Hat Löcher, die keiner bemängeln kann. Brauche ich!

Und ich hätte auch niemals gedacht, dass ich einen BATTERIEBETRIEBENEN Wecker (in welchem Antiquitätengeschäft hast du das Ding gekauft, Mama?!) und eine Taschenlampe einpacke, weil ich meinen Handy-Wecker nicht benutzen kann. JA, wirklich kein Handy und kein Kontakt zur Außenwelt für 10 Tage. Es gab da ja mal diese Umfrage unter 514 erwachsenen Smartphonebesitzern, die belegt, dass rund ein Drittel lieber eine Woche lang auf Sex als auf ihr Handy verzichten würde. Danke übrigens an Google für diese interessante Info. Und danke an "telenav" für diese äußerst seriöse Umfrage. Ich denke nämlich, dass die Umfrage ganz schön komisch ist,weil alle "Smartphonebesitzer" sind aber die wahrscheinlich nicht geprüft haben, ob die alle überhaupt einmal pro Woche Sex haben. Und da frage ich mich außerdem, wie man es dann laut Umfragebeauftrager aushalten soll, wenn man einfach nicht mal die Wahl zwischen dem Einen oder dem Anderen hat. Und gleichzeitig auch keinen Kaffee, kein Salz und kein Fleisch bekommt. Ob man dann nach kurzer Zeit schreiend wegrennen möchte oder sich direkt vor Angst in die Hose macht?

Egal. Ich habe es mir ausgesucht! Und damit das Ganze nicht völlig in die Hose geht, habe ich mir präventiv extra noch 2 von diesen Haremshosen gekauft, die ja eigentlich eh schon immer aussehen, als hätte man aus Versehen reingekackt.

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22:24 Uhr und ich habe immer noch nicht gepackt. Ich war nämlich noch bei meinen Eltern zum Grillen. Sozusagen nochmal den Fleischspeicher auffüllen. Sorry an dieser Stelle an alle Vegetarier,die das hier lesen müssen. Das waren nur Rügenwälder Mühle Fake Würstchen, die wir gegessen haben.Mit Ketchup, Markus! Mhhh. Ich bin halt ein kleiner Gourmet.Und an meine von Salz zerstörten Geschmacksknospen kommen deswegen auch nur beste Zutaten.

Ich sitze im Schlafzimmer auf dem Teppich und krame in meiner Bettschublade nach meinen Reisedokumenten. Was das Packen angeht, bin ich auch ohne Meditation tiefenentspannt. Es gibt ja Menschen, die sich im Juli schon Gedanken darüber machen, wie viele Unterhosen sie im November mitnehmen. Die Reisen fast ein bisschen als Wissenschafts- und Forschungsprojekt betreiben.Natürlich mit Projektplan. Die dann Monate vorher einen ganzen Reiseführer mit Post-its zutackern und ihre Packliste schreiben. Ganz ehrlich: Das würde mich viel mehr stressen als um 22:24 Uhr noch vor einer leeren Tasche zu sitzen wenn der Flieger um 10 Uhr morgens geht. Woher soll ich denn im Juli wissen,was ich im November untenrum tragen will? Da weiß ich doch noch gar nicht, ob nicht bis dahin wieder Feinrippschlüpfer ihre 2.Modewelle erleben oder Leopardentangas im Trend sind."Der Mode entkommt man nicht. Denn auch wenn Mode aus der Mode kommt, ist das schon wieder Mode." (Karl Lagerfeld). Keine Ahnung,was das überhaupt bedeutet, aber ich schließe daraus, dass man auch 3 Stunden vor Abflug noch zwischen Feinripp und Leopard entscheiden kann. Ich verstehe nämlich immer gar nicht so recht, wovor die "5-Monate-vorher-Packer" eigentlich Angst haben. Was soll denn Schlimmes passieren? Außer dass man sich vielleicht irgendwo am anderen Ende der Welt noch eine Unterhose kaufen muss, weil man sich spontan verkalkuliert hat.

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Ungefähr 2 Stunden später wirble ich immer noch durch meine Wohnung. Ich sag ja, dass das mit dem Nicht-Bewegen aktuell noch den Wachmännern vor dem Buckingham Palace in London vorbehalten ist.

Ich kippe noch etwas Haferspelze aus meinem Meditationskissen in eine Plastiktüte. „Das war viel zu dick“, hat Vera mich vorgewarnt, die inzwischen aus Kapstadt zurück ist. Deswegen sorge ich am besten jetzt schon dafür, dass gar nicht so viel Haferzeug in Indien lose herumfliegen kann. Denn das fänden meine Kakerlakenfreunde bestimmt richtig geil als Wohnort. Und falls ihr es noch nicht wisst, dann jetzt nochmal: ICH HASSE KAKERLAKEN.

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01:41 Uhr. Eigentlich hätte ich schon nach 15 Minuten alles im Backpack verstaut, aber dann fiel mir noch ein, dass ich noch meine Blumen gießen, eine Rechnung ans Fitnessstudio schreiben, meinen Schrank aufräumen und den Geschirrspüler anschmeißen könnte. Jetzt sieht meine Wohnung einigermaßen ok aus, aber irgendwie ist immer noch nichts so richtig gepackt. Ich glaub, ich geh jetzt einfach schlafen und mach' das morgen früh.

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