Dienstag, 14. August 2018

Welcome to Dhamma Sota

"Hi. Its Abishek", lese ich, nachdem ich auf eine E-Mail vom Rideshareboard des Meditationszentrums geantwortet habe. Ich antworte mit meiner Handynummer und frage, ob er auch Vipassana machen wird, um herauszufinden, ob es ernstgemeintes Angebot ist, dass wir zusammen fahren können bzw. er mich mitnehmen möchte. Kurze Zeit später ploppt eine Whatsapp-Nachricht mit "Hi!" auf meinem Handydisplay auf. Von einem Mann, der eine herzförmige Torte mit rotem Tortenspiegel als Profilbild und einen Status mit "I am sweet but little angry boy" hat. "No. Not right now but I want to join Vipassana as soon as possible so please help me", fügt er hinzu.

Ok, Julia. Du nimmst ein Taxi. Mit einem sweet but little angry Boy fährst du definitiv nicht. Vor allem nicht, wenn er selbst eigentlich gar keinen Grund hat, am 1. August in dem kleinen Örtchen namens Sohna zu sein.

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"Das Taxi war definitiv keine bessere Wahl", denke ich als ich auf dem Rücksitz eines weißen Taxis hinter einem Fahrer sitze, der wahrscheinlich gar kein Taxifahrer ist. Ich dachte ja, ich hätte schon so einiges erlebt, aber dass der Taxifahrer WÄHREND DER FAHRT dreimal aus dem Fenster kotzt als wäre es die normalste Sache der Welt, löst ein seltsames Gefühl in mir aus.

"No, I guess I just have enough money to pay you", sage ich, nachdem wir an einer Bank vorbeifahren. Ich wollte eigentlich Geld holen, aber das lasse ich lieber. Nachdem ich damals in Sri Lanka bei einem Tuktukfahrer diesen Fehler begangen habe und anschließend mit einem Messer bedroht wurde und den zehnfachen Preis zahlen sollte, werde ich diesen Fehler jetzt nicht wiederholen.

Ich blicke auf mein Handy, das rechts vom Fahrer in einer Halterung an der Windschutzscheibe steckt. Noch 9 Minuten bis zum Meditationszentrum. Und keine Möglichkeit, jetzt auf dem Weg einfach rauszuspringen. Ich nehme ein paar Scheine aus meinem Geldgürtel und stecke sie unauffällig in die Seitentaschen meines Backpacks.

Wenn mich einer verarschen wird, dann er.

"2000 Rupees", sagt der kotzende Taxifahrer mit den braunen Zähnen zu mir und grinst mich an. Ich starre auf mein Handy, das immer noch vorne angebracht ist. "Ok. Can you please pass me my phone so I can calculate something", behaupte ich und bin froh, dass er doof genug ist, mir mein Handy zurückzugeben ohne es als Druckmittel gegen mich zu verwenden. "200", antworte ich und drücke ihm umgerechnet ungefähr 2,50 Euro in die Hand als hätte ich niemals das Wort 2000 gehört.

KLACK.

Mir rutscht ein bisschen das Herz in die Hose, als er die Autotür verriegelt.

"Ok...I give you all I have", sage ich und krame weitere 120 Rupees aus meinem Gürtel und halte ihm die leere Tasche demonstrativ unter die Nase. "I have no more money." Ich öffne die Seitentür von innen, schnappe mein Backpack und steige aus. Sage ganz selbstbewusst "Goodbye" und laufe weg. Der Taxifahrer wirft mir einen letzten bösen Blick zu und rauscht davon. Bin ich froh, dass meine Intuition richtig war und ich nicht von der Bank das Geld abgehoben habe, was ich eigentlich am Ende der 10-tägigen Zeit im Zentrum spenden wollte.

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Ich gehe durch ein weißes Eisentor. Vorbei an zwei Männern in hellblauem Gewand, die mich freundlich mit einem Lächeln begrüßen. "Welcome to Dhamma Sota". Zwei Frauen lächeln mich an und sagen, dass ich meine Sachen ablegen kann und mich erst einmal in Ruhe registrieren lassen soll. Ich stelle mein Backpack auf dem Boden ab und bin erleichtert, dass ich um 14:30 Uhr im Meditationszentrum angekommen bin.

Nachdem ich zwei Bögen mit persönlichen Infos gefüllt habe, erhalte ich einen kleinen Zettel mit der Aufschrift: F-19. "This is your residence for the next days", erklärt eine Frau in buntem Gewand. "Du mussst dein Handy und alle Wertsachen hier abgeben. Auch Bücher, Schreibmaterial, deinen Laptop und Schmuck. Was auch immer auf dieser Liste steht, musst du abgeben und bekommst es am 10. Tag zurück. Du kannst aber gerne deine Sachen erst in dein Zimmer bringen und in Ruhe auspacken. Nimm dir auch gern Tee und ein paar Kekse und ruh' dich hier noch ein bisschen aus, wenn du zurückkommst! Um 18:15 Uhr gibt es dann noch ein leichtes Abendessen im Speisesaal und um 19 Uhr geht es los", erklärt sie freundlich.

Ich folge den Schildern Richtung "Female Residence" an der rechten Seite des Zentrums. Laufe über einen schmalen Weg, der von etwa 15 Zentimeter hohen Steinen mit weißen Fliesen eingerahmt ist. Links und rechts kleine schwarze Laternen. Am Rand des Weges zurechtgestutzte Büsche, weiß-gelbe Frangipani und Pflanzen, deren Namen ich nicht kenne. Vogelgezwitscher, ein paar Pfauen, die ein Rad schlagen und Bäume mit länglichen grünen Blättern. Vorbei an einem weißen tempelartigen Gebäude mit kleinen runden Fenstern durch das Meditationszentrum, das wie ein kleiner idyllischer Park wirkt. Am Wegesrand kleine Metallschilder mit "Please obtain noble silence on Shanti Patthar", "Always walk alone" und "Be happy!".

Dann erreiche ich ein pastellgelbes Gebäude am rechten Ende des Parks. Ich laufe durch die marineblaue Tür und betrete einen heruntergekommenen betonierten Innenhof mit 12 Türen über denen die Nummern "F13" bis"F24" angebracht sind. Dann öffne ich die Tür, über der "F19" steht. Ich betrete einen etwa 7,5 qm kleinen Raum mit einem kleinen Metallbett und eierschalenfarbenen Plastikstuhl. Rechts ein Regal aus zwei Marmorböden. Pastellgelbe rissige Wände mit verputzen dunklen Stellen. Zwei Fenster mit Vorhängen, die mit ihrem roten Herzchen-Stickmuster an überdimensionale Geschirrtücher erinnern. Links eine schmale blaue Tür, die in ein etwa 3 qm kleines Badezimmer ohne Dusche führt. Und sonst nichts. Außer 3 bunte Plastikeimer und ein Scheibenabzieher auf dem Badezimmerboden.

Ich lege meinen Rucksack auf dem Bett mit der karierten Matratze und dem weißen Laken ab. Krame mein Handy und alle Wertsachen aus der Tasche und stecke sie in einen schwarzen Turnbeutel. Sende eine letzt SMS an meine Schwester und schalte mein Handy aus.

Tschüss, Außenwelt. Wir sehen uns in 10 Tagen!"

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