Nach ungefähr 3 Stunden Schlaf und einem seltsamen Traum, an den ich mich leider nicht erinnere, klingelt um 6 mein Wecker. Ich beginne, endlich mal richtig zu packen. Mit etwas Zeitdruck geht das einfach viel schneller. Ich schaffe es sogar noch, einen Kaffee zu trinken.
Um 7:20 Uhr hüpfe ich zu Markus ins Auto und sehe aus als wäre ich noch im Schlafanzug unterwegs. "Sieht so aus als würdest du gerade einen Penner einsammeln!", sage ich lachend zu Markus, der ein hellblaues Hemd trägt. Ich schnalle mich an, drehe mich um und schaue in drei grinsende Gesichter. Maya und die Kids sitzen auf der Rückbank. "ÜBERRASCHUNG!".
"Ahhh...Wie cool ist das denn?!"
Da sind sie doch tatsächlich 30 Minuten hergefahren nur um mich gemeinsam zum 800 Meter von meiner Wohnung entfernten Flughafen zu bringen. Ja, ich freue mich wirklich! Auch wenn meine Freude laut Markus manchmal so emotionslos wie bei Merkel aussieht, wenn sie ihre Reden hält. Fehlt nur noch, dass ich mit meinen Händen auch noch das magische Dreieck mache während ich sage, dass ich mich wirklich wirklich wirklich freue.
Lieber Markus: WÄRE ich gelenkiger, würde ich mir die Füße hinter den Kopf klemmen und vor Freude mit dem kleinen Zeh wackeln. ABER ich bin nunmal eine ungelenkige Stabheuschrecke und deswegen grinse ich einfach so vor mich hin. Und freue mich sehr, dass ich solche Freunde wie euch habe!
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Beep beep. Schon bin ich eingecheckt. 10,3 kg für 16 Tage. Ich glaube, ich hab jetzt endlich den Gepäck-Highscore geknackt. Oder besser gesagt: Das ist mein neuer LOWscore. Muss wohl daran liegen, dass diese dünnen Leotangas einfach weniger wiegen als Feinrippschlüppis.
Wie ihr wisst, lösen Flughäfen in mir immer coole Emotionen aus. Der in Bremen irgendwie nicht, wie ich feststellen muss. Der ist genauso unspektakulär wie ein Sack Kartoffeln.
Und wo wir gerade beim Thema Kartoffeln sind, wollte ich euch noch über Folgendes informieren bevor ich in den Flieger steige: "POMMES KÖNNEN TEURER WERDEN! - Dürre trifft Kartoffelbauern". Genau das habe ich nämlich gerade in der Rubrik "Wirtschaft" gelesen. Nein, das sagt ausnahmsweise mal nicht die Bildzeitung. BILD hätte nämlich direkt die Kartoffel höchstpersönlich interviewt wie sie das findet, dass sie ihren Körper wegen der Dürre jetzt teurer verkaufen muss. Und außerdem: Hat die Bildzeitung überhaupt eine Wirtschaftsrubrik um über Pommes zu berichten?!
Rubrik hin oder her, aber diese wertvollen News habe ich gerade auf dem Nachrichtenscreen der "Welt" in der Wartehalle vor dem Gate gelesen. Ist ja nicht so, dass man aus Kartoffeln nicht auch Püree oder Auflauf machen könnte, aber ihr solltet schnell nochmal zu McDonalds um euch eine fette Portion Pommes zu gönnen bevor es teuer wird!
Allein dass die am Flughafen diese kostbaren Werbescreens mit solchen Infos zuspammen ist Inbegriff meiner Bremen-Flughafen-Liebe.
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"Chuuuude Daaach", begrüßt mich lächelnd der holländische Flugbegleiter und zeigt mir seine Zahnspange. Frikandel, Frikandel, Poffertjes! Yippieh ya yeah, ich flieg' nach Amsterdam! Und dann gehts nach einem 3-stündigen Aufenthalt weiter nach Delhi. An dieser Stelle noch eine unmoralische Frage: Was haben Indien und Amsterdam eigentlich gemeinsam außer "have sex and get stoned"?.
Hahahaha.
Ok, Julia. Solche billigen Flachwitze lässt du in Zukunft bitte in diesem äußerst seriösen Blog! Auch wenn der von Bart hätte kommen können. Den triffst du aber gleich erst und bis dahin reißt du dich bitte zusammen!
Bart ist mein Lieblingsholländer. Kennengelernt habe ich ihn im Hostel in Thailand 2014. Wir sind damals 1,5 Wochen zusammen gereist und haben eine Woche lang JEDEN TAG so krank Party gemacht als würde morgen die Welt untergehen. Zuletzt getroffen haben wir uns dann auf einen Gratis-Kaffee bei Ikea (wenn das kein cooler Ort für ein Treffen ist!) und jetzt folgt endlich das Wiedersehen nach 2 Jahren am Flughafen. Ich freue mich (nach außen wie Merkel und nach innen wie Spongebob).Und wir gehen übrigens zusammen essen. Ich hoffe, es gibt Pommes!
Apropos Essen. Ich finde das so cool, dass man bei KLM auf dem Weg von Bremen nach Amsterdam immer einen Keks im Flieger bekommt. Manche lassen sich ihre Freude über solche Kleinigkeiten sogar auf den Körper tätowieren: Enjoy the little things (blöd nur, wenn man dann mal einen Partner mit Mikropenis hat). Im Winter gibt es Spekulatius und im Sommer einen ZACHTE KOEK MET CHOKOLADESTUKJES. Auch genannt: Schokocookie. Bei den süßen holländischen Bezeichnungen hat man ja fast immer das gute Gefühl, dass man einfach 34 ZACHTE KOEKJES fressen könnte ohne davon fett zu werden. Das sieht bei einem "Keks mit SCHOKOLADENBROCKEN" natürlich ganz anders aus und deswegen ist es auch ok, dass ich nur einen bekomme.
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Nach einem kurzen Flug durch Wolken, die aussehen wie das Innenleben explodierter Sofapolster, laufe ich 11:19 Uhr Bart lachend entgegen. "Heeeey German! Happy to see you again!", grinst er und drückt mich. Wir essen keine Pommes, aber ein Ciabatta mit Schinken. Ich verbrenne mir an meinem Kaffee Nummer 3 ganz elegant die Zunge und wir machen ein paar Fotos auf dem "Amsterdam-Zeichen". Mit meiner Schlabber-Stoffhose rutsche ich im Schneidersitz fast vom "A" und wir quatschen ein bisschen in der Sonne.
Es ist, als hätten wir uns zuletzt gestern gesehen. Und genau solche Situationen liebe ich am Reisen mindestens so sehr wie den Schokoladenkeks im Flieger.
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PS: Falls ihr jetzt denkt, ich war beim Verfassen dieses Textes irgendwie high, dann habt ihr Recht. Ich war nämlich high up in the sky. Der geile Schokoladenkeks hingegen wäre auch für Kinder genießbar gewesen.
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