Ich sitze auf dem Fußboden vor Vera’s Couch auf einem halbmondförmigen Meditationskissen. Unfassbar, dass ausgerechnet ICH mal auf einem Meditationskissen sitzen würde. Papa würde jetzt sagen : Man hat auch schon Pferde kotzen sehen! Denn ich auf diesem Kissen – das ist ungefähr so widersprüchlich wie der Anblick von Reiner Calmund auf einem Laufband bei einer Geschwindigkeit von 13,2 km/h. Aber ich meine das ernst. Und ich habe mir tatsächlich inzwischen auch selbst ein anthrazitfarbenes Kissen von LOTUSKRAFT gekauft.
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„Also hier oben tut das irgendwie weh. Ich kann noch nicht mal 10 Minuten im Schneidersitz sitzen“, erkläre ich meinem Physiotherapeuten ganz demonstrativ und füge ein „Da ist bestimmt ein Nerv eingeklemmt!“ hinzu. Ich tippe auf mein Becken. „Genau hier. Das tut mega weh, wenn ich so sitze“, sage ich und drücke mein rechtes angewinkeltes Bein nach unten.
“Ich will ja nix sagen, aber Sie sind einfach voll ungelenkig“, antwortet er und grinst mich an. „An der Brustwirbelsäule habe ich jetzt alle Blockaden gelöst, aber hier ist nix.“
“Ok. Das kann ja spaßig werden. Ich will doch eigentlich meditieren…“, erwidere ich und lache.
„Na dann musst du einfach ein paar Dehnübungen machen.“
„Und wie soll das aussehen?“, frage ich .
Wenige Sekunden später bekomme ich einen Lachanfall als ich auf dem Rücken mit angewinkelten Beinen wie so ein frisch ausgepackter Weihnachtstruthahn liege. Mein Physiotherapeut kniet vor mir und drückt meine Schenkel auseinander. Klingt jetzt etwas kamasutramäßig, aber das Feeling ist auf jeden Fall alles andere als erotisch. Mein Blick ist nämlich ungefähr so wie von Özil, wenn er gerade einen Ball aus 3m Entfernung von Ronaldo in die Eier bekommen hat.
Verdammt.
Ich dachte, der Typ renkt mich jetzt wieder ein. Und anschließend läuft das und ich kann so entspannt sitzen wie Buddha. Aber Pustekuchen. Ist ja nicht so, dass nicht auch schon 2014 die kleine Masseurin in Thailand einen Lachanfall bekommen hat als sie live miterleben durfte, wie scheiße ich einfach im Schneidersitz aussehe. Da fragt man sich natürlich, warum ich damals in der Grundschule noch meinen Fuß hinter meinen Kopf klemmen konnte und jetzt einfach einer Stabheuschrecke gleiche.
Hätte ja auch keiner wissen können, dass ich irgendwann beabsichtige, mal 10 Stunden täglich in dieser Position zu sitzen.
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„Ey Dennis, was machen die denn da für einen Mist?!“, frage ich als wir in der Stadt unterwegs sind. Unter einem Pavillon sitzen zwei Asiaten im Schneidersitz mit geschlossenen Augen. Dennis lacht: „Die machen dasselbe wie du in ein paar Wochen, Julia.“
So komisch, wie meine Reaktion manchmal ist, sind auch die Reaktionen der Menschen, die inzwischen von meiner etwas anderen Reise wissen:
„Auf welchem Selbstfindungstrip bist du eigentlich gerade?“
„Das passt ja SOWAS VON GAR NICHT zu dir.“
„Ob DU das durchhältst?!“
„Vielleicht solltest du mal lieber eine Woche All-Inclusive machen und dich am Pool erholen, um auf dein Leben klarzukommen.“
Ich selbst finde es auch manchmal ganz befremdlich, dass ich etwas völlig anderes vorhabe, aber ich freue mich inzwischen sogar auf die Erfahrung. Nicht so wie die Freude von Reiner Calmund am Salatbuffet, sondern RICHTIGE Freude. Und inzwischen ist es mir auch egal, wie die Reaktionen sind, weil ich mir einfach sicher bin, dass es eine spannende Erfahrung wird. Bis dahin nehme ich es mit ganz viel Humor und freue mich schon darauf, euch im Nachgang zu berichten.
An dieser Stelle trotzdem Folgendes: Keine Angst, Mama. Du musst mich danach nicht aus dem Wald abholen, weil ich nur noch spirituell Blätter pflücken gehe und mit Bäumen rede.
Ich werde danach noch ganz die Alte sein. Zumindest von außen.
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