Mittwoch, 10. Dezember 2014

Auf dem Weg nach Koh Samui



„Warum kann eigentlich niemand in diesem Bus Englisch?“, frage ich mich und lehne mich gegen die Scheibe. Mir gehen einige Fragen durch den Kopf. Zum Beispiel wann und wo ich überhaupt ankomme, ob wir zwischendurch halten und vor allem, ob mich jemand an meiner Haltestellen wecken wird, wenn ich jetzt einschlafe. 

Da Chow das Ticket für mich gekauft hat, war mir nicht bewusst, dass es sich bei dem Bus eigentlich um einen ganz normalen Reisebus handelt, mit dem auch Einheimische von A nach B fahren und nicht einmal der Busfahrer ein Wort Englisch spricht.

Vielleicht versuche ich später, meine Frage einfach aufzumalen. Bis dahin bleiben mir auf jeden Fall noch einige Stunden, denn wenn ich es richtig verstanden habe, komme ich erst morgen früh um 10 am Hafen an.

Es war eine bewusste Entscheidung, Mimi zu verlassen. Ginge es nach ihr, wäre ich im Idealfall bis zum 29. bei ihr und ihrer Familie geblieben und hätte mich dann von Chow zurück zum Flughafen bringen lassen. 

Ich bin aber nicht nach Thailand gekommen, um meine Zeit mit einer thailändischen Familie in einer kleinen Stadt namens Rayong zu verbringen, sondern um so viel wie möglich zu sehen, von einem Ort zum anderen zu reisen, mich inspirieren zu lassen und mit vielen unterschiedlichen Erfahrungen im Gepäck zurück nach Deutschland zu kommen. 

Also habe ich mir ein Ticket gekauft, um mit Bus 393-1 um 18:30 Uhr in den Süden zu einem Hafen zu fahren, von dem ich eine Fähre Richtung Koh Samui nehmen kann.

Ich glaube, dass das Geheimnis einer guten Reise ist, dann zu gehen, wenn es schön ist und nicht in einem schönen Moment zu verharren, bis er unschön wird und man gezwungen ist, mit negativen Gefühlen die Richtung zu ändern. Es ist immer auch ein Sprung ins kalte Wasser und ungewiss, wo man am nächsten Tag aufwacht, wenn man weiterzieht. Aber es sind gerade solche ungewissen Momente, in denen man sich am stärksten weiterentwickelt, sich vor eine kleine Herausforderung stellt und dabei lernt, lächelnd über den eigenen Schatten zu tanzen. Wenn man das annimmt, was einem das Leben gibt, auch mal einen scheinbar ungewissen Weg wählt und nicht die Zukunft totplant, dann ergibt sich fast alles wie von Zauberhand ganz von selbst. 

Gewiss ist allerdings immer, dass man sich am Ende in einer Situation befindet, die das Leben bereichert. Völlig unabhängig davon, wo genau man eigentlich am nächsten Tag wieder aufwacht.


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Ich schaue bis tief in die Nacht aus dem Fenster und schlafe irgendwann auf meinem Sitz ein. Die Umgebung rauscht an meinem Fenster vorbei wie eine Fahrt auf der Kirmes. Überall bunte Lichter und Lampen, die zumindest dem Anschein nach nicht nur für Weihnachten aufgehangen wurden. Alle hundert Meter große Bilder des Königs, die von unten angestrahlt werden. 
Dazwischen blaue, weiße, rote und grüne Lichter an Bäumen, Telefonkabeln, Straßenlaternen, Büschen und Zäunen. Die Straße ist so uneben, dass ich mich tatsächlich wie in einem Fahrgeschäft auf einer Kirmes fühle. Ich ziehe meine hellblaue Decke mit den bunten Manga-Figuren bis zum Hals, lehne mich gegen die Scheibe und schlafe irgendwann ein.

Als ich um 7:30 Uhr wieder aufwache, hat sich die Kirmeslandschaft in einen Dschungel verwandelt. Große Palmen, Bananenstauden, Büsche, Farn und Schilf. Kleine Gewässer, Holzhütten, Bambus und Kaffeebäume. Ich habe keine Ahnung, wo wir sind, aber freue mich über die Bilderbuchlandschaft, die an meinem Fenster vorbeizieht.


SO habe ich mir Thailand vorgestellt.

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