Sonntag, 14. Dezember 2014

Koh Samui



Um etwa 10 Uhr hält der Bus vor einem Schild mit der Aufschrift „Surat Thani. „Das muss wohl der Hafen sein“, denke ich mir und hüpfe aus dem Bus. Ich schnappe mir meinen Rucksack, kaufe mir am Schalter ein Ticket nach Koh Samui für umgerechnet 3,20 € und sitze etwa 10 Minuten später auf dem Deck der Fähre, die zwei Stunden später in Koh Samui ankommen wird. Die Überfahrt ist ziemlich lustig, denn ich bin erstens die einzige „Ausländerin“ an Board, infolgedessen zweitens das einzige Mädchen mit blonden Haaren wodurch ich drittens zur Touristenattraktion für die mitfahrenden Thailänder werde. Ich fühle mich ein bisschen Alien, ein bisschen Star und ein bisschen wie die seltsamen grünen Türstopperlöwen, die Mimi gestern mit großen Augen angestarrt hat.

Es ist lustig, mit welchen Mitteln die Thailänder die gesamte Fahrt über versuchen, um jeden Preis ein Foto mit mir zu erhalten. Einige fragen direkt, ob sie sich mit mir ablichten lassen dürfen. Andere wiederum setzen sich auffällig unauffällig vor mich und machen ein Selfie mit ihrem iPhone, setzen sich neben oder vor mich und lassen sich von ihren Freunden ablichten so dass ich ganz rein zufälligerweise im Hintergrund sitze oder aus Versehen am Rand des Bildes erscheine. Oder sie benutzen aus einigen Metern Entfernung den Zoom so dass mir das Objektiv 5 Meter herausgefahren fast ins Gesicht springt. Die echten Fotoprofis bauen hingegen einfach völlig unverblümt direkt 2 Meter vor meiner Nase ihr Stativ auf oder setzen sich hinter mich und halten mir ihr Handy mit ihrer wundervollen Plastik-Kameraverlängerung direkt vors Gesicht.

Schatzi, schenk mir ein Foto. Schenk mir ein Foto von dir…

Nach einigen hundert Fotos mit der gesamten Bootsbesetzung frage ich mich, wie häufig ich wohl in den nächsten Minuten, Stunden und Tagen irgendwo im Internet oder auf Facebook erscheine.

Schatzi, schenk mir ein Foto. Schenk mir ein Foto von dir. Schenk mir ein...dann schenk ich dir auch eins von mir.

Ich grinse und beschließe, den Spieß ein bisschen umzudrehen. Also mache ich ein Foto von jedem, der mich fotografiert und benutze dafür mein Handy und meine Kamera gleichzeitig. Ich bitte meine Fotografen, „Cheese“ zu sagen, etwas näher zu kommen und drücke auf den Auslöser oder ich fotografiere sie einfach, während sie mich fotografieren. Dann gibt es auch ein paar Fotos von mir im Internet, die zeigen, wie ich beim Fotografieren aussehe.

Das sorgt nicht nur für Verwirrung bei den Thailändern, sondern auch für eine Menge Spaß für mich. Wenn ich all die Fotos, die ich gemacht habe, als Rahmen für einen Spiegel nutze, habe ich nicht nur eine tolle Erinnerung, sondern auch einen witzigen Spiegel in meiner zukünftigen Wohnung.

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Zwei Stunden später komme ich in Koh Samui an. Ich verlasse den Hafen und lasse mich von gefühlt dreitausend Taxifahrern am Steg anquatschen:

„You want taxi taxi?“
„Taxiiii?!“
„I make you good price“
“Taxi caaar”
“Only 100 baht”

Ok. Scheinbar kann man von hier aus nicht einfach an den nächsten Ort laufen.
Ich sage zweitausendneunhundertmal „No thanks“ und bitte dann einen Taxifahrer, mich einfach irgendwo hinzubringen, wo viele Backpacker sind. 
45 Minuten später bin ich mitten an einem Ort namens Chaweng Beach angekommen. Hier gibt es nicht nur dreitausend Taxis und fünftausend Roller, sondern es ist auch ein Ort, an dem sich Shop an Shop, Restaurant an Restaurant und Hostel an Hostel reiht. Ich frage mich ein wenig durch, quatsche willkürlich andere Backpacker an und treffe irgendwann auf ein paar nette, aber von der Full-Moon-Party erschöpfte Engländer, die mir empfehlen, im „Samui Backpacker Hostel“ zu übernachten. Nachdem ich feststelle, dass das Hostel noch etwa 3 km entfernt ist, hüpfe ich auf einen Roller und lasse mich zum Hostel fahren.
Ich buche zwei Nächte im größten Zimmer, das das Hostel anbietet.
„Wo ist die Wahrscheinlichkeit größer, andere Backpacker zu treffen, als in einem 12-Bett-Hostelzimmer für 4 Euro pro Nacht am Partystrand von Koh Samui?“

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Nachdem wir uns 2 Stunden lang im Ort mit den wohl meisten „Thai-Massage-Shops“ verlaufen haben, beschließen Lisa aus der Schweiz und ich, zurück zum Strand zu gehen. Wir laufen unter Palmen durch den weißen Sand und die warmen Wellen. 

Nach einem insgesamt 4-stündigen Spaziergang lassen wir uns in einer  Shisha-Strandbar auf bunte Kissen im Sand fallen. Wir teilen uns eine Shisha, trinken ein paar Cocktails und schauen uns bis in den Morgen an, wie junge Thailänder am Strand mit brennenden Bällen und Stäben passend zur Musik jonglieren.

Das Leben ist schön.

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