Um etwa
10 Uhr hält der Bus vor einem Schild mit der Aufschrift „Surat Thani. „Das
muss wohl der Hafen sein“, denke ich mir und hüpfe aus dem Bus. Ich schnappe
mir meinen Rucksack, kaufe mir am Schalter ein Ticket nach Koh Samui für
umgerechnet 3,20 € und sitze etwa 10 Minuten später auf dem Deck der Fähre, die
zwei Stunden später in Koh Samui ankommen wird. Die Überfahrt ist ziemlich
lustig, denn ich bin erstens die einzige „Ausländerin“ an Board, infolgedessen zweitens
das einzige Mädchen mit blonden Haaren wodurch ich drittens zur Touristenattraktion
für die mitfahrenden Thailänder werde. Ich fühle mich ein bisschen Alien, ein
bisschen Star und ein bisschen wie die seltsamen grünen Türstopperlöwen, die Mimi
gestern mit großen Augen angestarrt hat.
Es ist
lustig, mit welchen Mitteln die Thailänder die gesamte Fahrt über versuchen, um
jeden Preis ein Foto mit mir zu erhalten. Einige fragen direkt, ob sie sich mit
mir ablichten lassen dürfen. Andere wiederum setzen sich auffällig unauffällig
vor mich und machen ein Selfie mit ihrem iPhone, setzen sich neben oder vor
mich und lassen sich von ihren Freunden ablichten so dass ich ganz rein zufälligerweise
im Hintergrund sitze oder aus Versehen am Rand des Bildes erscheine. Oder sie benutzen
aus einigen Metern Entfernung den Zoom so dass mir das Objektiv 5 Meter
herausgefahren fast ins Gesicht springt. Die echten Fotoprofis bauen hingegen einfach
völlig unverblümt direkt 2 Meter vor meiner Nase ihr Stativ auf oder setzen
sich hinter mich und halten mir ihr Handy mit ihrer wundervollen Plastik-Kameraverlängerung
direkt vors Gesicht.
Schatzi,
schenk mir ein Foto. Schenk mir ein Foto von dir…
Nach einigen
hundert Fotos mit der gesamten Bootsbesetzung frage ich mich, wie häufig ich
wohl in den nächsten Minuten, Stunden und Tagen irgendwo im Internet oder auf
Facebook erscheine.
Schatzi,
schenk mir ein Foto. Schenk mir ein Foto von dir. Schenk mir ein...dann schenk
ich dir auch eins von mir.
Ich grinse
und beschließe, den Spieß ein bisschen umzudrehen. Also mache ich ein Foto von
jedem, der mich fotografiert und benutze dafür mein Handy und meine Kamera
gleichzeitig. Ich bitte meine Fotografen, „Cheese“ zu sagen, etwas näher zu
kommen und drücke auf den Auslöser oder ich fotografiere sie einfach, während
sie mich fotografieren. Dann gibt es auch ein paar Fotos von mir im Internet,
die zeigen, wie ich beim Fotografieren aussehe.
Das sorgt
nicht nur für Verwirrung bei den Thailändern, sondern auch für eine Menge Spaß
für mich. Wenn ich all die Fotos, die ich gemacht habe, als Rahmen für einen
Spiegel nutze, habe ich nicht nur eine tolle Erinnerung, sondern auch einen
witzigen Spiegel in meiner zukünftigen Wohnung.
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Zwei
Stunden später komme ich in Koh Samui an. Ich verlasse den Hafen und lasse mich
von gefühlt dreitausend Taxifahrern am Steg anquatschen:
„You
want taxi taxi?“
„Taxiiii?!“
„I make you good price“
“Taxi
caaar”
“Only
100 baht”
Ok. Scheinbar kann man von hier aus nicht einfach an den
nächsten Ort laufen.
Ich sage zweitausendneunhundertmal „No thanks“ und bitte
dann einen Taxifahrer, mich einfach irgendwo hinzubringen, wo viele Backpacker sind.
45 Minuten später bin ich mitten an einem Ort namens Chaweng
Beach angekommen. Hier gibt es nicht nur dreitausend Taxis und fünftausend
Roller, sondern es ist auch ein Ort, an dem sich Shop an Shop, Restaurant an
Restaurant und Hostel an Hostel reiht. Ich frage mich ein wenig durch, quatsche
willkürlich andere Backpacker an und treffe irgendwann auf ein paar nette, aber
von der Full-Moon-Party erschöpfte Engländer, die mir empfehlen, im „Samui
Backpacker Hostel“ zu übernachten. Nachdem ich feststelle, dass das Hostel noch
etwa 3 km entfernt ist, hüpfe ich auf einen Roller und lasse mich zum Hostel fahren.
Ich buche zwei Nächte im größten Zimmer, das das Hostel
anbietet.
„Wo ist die Wahrscheinlichkeit größer, andere Backpacker
zu treffen, als in einem 12-Bett-Hostelzimmer für 4 Euro pro Nacht am
Partystrand von Koh Samui?“
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Nachdem wir uns 2 Stunden lang im Ort mit den wohl
meisten „Thai-Massage-Shops“ verlaufen haben, beschließen Lisa aus der Schweiz
und ich, zurück zum Strand zu gehen. Wir laufen unter Palmen durch den weißen
Sand und die warmen Wellen.
Nach einem insgesamt 4-stündigen Spaziergang lassen wir
uns in einer Shisha-Strandbar auf bunte
Kissen im Sand fallen. Wir teilen uns eine Shisha, trinken ein paar Cocktails
und schauen uns bis in den Morgen an, wie junge Thailänder am Strand mit
brennenden Bällen und Stäben passend zur Musik jonglieren.
Das Leben ist schön.
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