Samstag, 6. Dezember 2014

Reihe 21, Sitz J



„Einen tollen Platz hast du dir ausgesucht“, denke ich mir und quetsche mich in die Mitte einer Dreier-Sitzreihe auf der rechten Seite des Flugzeuges direkt vor den Toiletten. Rechts von mir eine Asiatin, links von mir ein Inder. International travelling olé. „Wo die wohl hinreisen?“, frage ich mich und taufe die beiden spontan Apu und Mimi. Ich muss schließlich sechs Stunden Arm an Arm mit ihnen auf diesem bescheuerten Platz verbringen, also sollen sie auch einen netten Namen haben. 

„Wo sie leisen hin?“, dreht sich Apu zu mir und fügt  nach meiner Antwort hinzu: „Sie leisen ganz allein?!“ 

Wir plaudern eine Weile.

„Du leise wicklich ganz alleine?“, meldet sich jetzt auch Mimi mit lustigem Akzent zu Wort. „Was deine Ziel in Thailand?“, fragt sie mich und ist ein wenig schockiert über die ehrliche Antwort, dass ich eigentlich keinen Plan habe, was genau ich machen möchte. 

„Manchmal Menschen in Thailand böser Menschen, manchmal guter Menschen. Muss du vorsichtik sein Mädchen. Du kenne gar niemanden in Thailand?“. 

 „Jetzt machen Sie das Mädchen keine Angst“, erwidert Apu und schüttelt den Kopf.

Hört sich auf jeden Fall schon Mal großartig an, wenn die beiden sich unterhalten. Ich muss ein bisschen grinsen.

[…]

„Ja aber wenn du wills kanns du kommen zu meine Bruder mit mir. Würde mik auch fröhlig maken dir mein Familie zeige und helfen ein bisschen.“ 

Ich habe spontan Narumol von Bauer sucht Frau vor Augen und muss wieder grinsen.
„Wicklich, du kanns kommen mit mir. 3 Tage oder bisschen mehr, Müssen wir schauen. Dann du brauk au keine Hotel mehr“, sagt sie und nimmt meine Hand. „Einfach absage und mit zu meine Bruder komme.“

Ob sie das wirklich ernst meint? Abwarten.

Ich hätte sie auf jeden Fall einfach doch Narumol taufen sollen.

[…]

Wenn ich gewusst hätte, dass das die unbequemste Nacht ever wird, wäre ich vermutlich nicht so doof gewesen, meinen ursprünglichen Platz online von Reihe 17, Sitz K auf Reihe 21, Sitz J umzubuchen.

Links ein Apu in „Türsteher-du kommst-hier-nicht-rein-Schlafhaltung“ mit rechtem Arm auf meiner Lehne, rechts Miniatur-Mimi mit Füßchen auf ihrem und halb auf meinem Sitz und dazwischen ich in „Entschuldigen-Sie-Herr-Busfahrer-ich-stecke-in-der-Tür-fest-Position“. Ungefähr so, wie wenn man beim Schwimmen gerade zu einem neuen Zug ansetzen will, sich die Handflächen berühren und man dann in dieser Haltung eingefroren wird und  exakt noch 3 Stunden in dieser Position sitzen darf. 

Die Durchsage: „Wir möchten Sie bitten, sich aufgrund von starken Luftströmungen anzuschnallen und auf Ihrem Platz zu bleiben“ hat das Ganze noch etwas lustiger gemacht.
Jetzt steckte ich nicht nur fest, sondern fühlte mich auch noch, als ob der verdammte Bus über Dreimillionen Geschwindigkeitshubbel brettert während ich in der Tür eingeklemmt bin.

Freudeeeee.

„Zum Glück kosten Massagen in Thailand nur umgerechnet 4 € pro Stunde“, denke ich mir und lenke mich durch Musik und Filme von meiner unbequemen Haltung ab.

[…]

Apu und Mimi sehen hingegen ziemlich entspannt aus, als sie wieder wach werden und ich mich sichtlich freue, meine Schultern wieder in eine normale Position bringen zu können.

„Du habe auch gut geslafen?“, fragt Mimi. 

Jaa, wundervoll.

[…]

„Ik kann dir wicklich meine Landschaft zeige“, betont sie noch einmal und ergänzt dann lachend: „Du habe Probleme mit Essen oder du iss alles?“ 

Ich erwidere, dass ich sicherlich nicht alles mag, aber alles probieren werde.

 „Ok, dann is ok. Ik koche manchma schaf. Gut wenn du mags alles. Dann du darfs mitkomme“, grinst sie und zieht eine Packung kandierten Ingwer aus ihrer Tasche. 

„Ok, jetzt muss ich wohl“, denke ich mir und stecke mir als Beweis ein großzügiges Stück in den Mund.

Ich lächle..und dann muss ich auch ein bisschen weinen, weil das Zeug tatsächlich verdammt scharf ist.

Na das kann ja was werden, werden, wenn ich tatsächlich mit ihr gehe…

 Ich grinse wieder, greife erneut in die Ingwertüte und frage mich dann: 

"Warum eigentlich nicht?!"

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