Gegen 8:30 Uhr wache ich am nächsten Tag erneut frierend in
einem Bett mit Mimi auf. Auf dem Boden an der rechten Seite des Bettes liegen –
ebenfalls zitternd – Eee und Mimi’s Tochter Ning, die sich eine Fläche von etwa
70 cm Breite teilen und wie zwei Raupen kurz vor der Metamorphose in ein
Bettlaken eingewickelt sind.
Noch am Abend hatte ich versucht, die Klimaanlage unauffällig
auf eine „normale“ Temperatur einzustellen, wurde dann aber nachts doch durch ein
„Beep, beep, beep“ und eine Ee am Schalter wach.
Ich stehe auf und schleiche mich unauffällig vom Iglu ins
Gewächshaus. Kurze Zeit später steht auch Mimi in der Küche.
„Goote Morge Joolia, du auch tlinken Kaffee?“, fragt sie
und schaltet die Kaffeemaschine an.
Ich verschwinde im Bad und ziehe mich um.
Als ich die Tür öffne, ist der gesamte Küchenboden mit Kaffee
überflutet. Ich muss ein wenig grinsen beim Anblick von Mimi, die versucht, den
aus der Maschine tropfenden Rest mit einer Tasse aufzufangen.
„Maschine isse kapott,
Jolia. Funktioniet niiiech“, sagt sie und blickt mich verwirrt an. „Ik habe alle
genau gemach wie gestern au“.
Als wir feststellen, dass sie den Kaffee ohne den
Filtereinsatz der Maschine gekocht hat, müssen wir beide lachen. Das hätte mir
schließlich auch passieren können.
Ich koche neuen Kaffee, reiche ihr eine Tasse auf den
Balkon und setze mich in die Sonne.
Es ist der letzte Tag, den ich mit Mimi verbringe,
bevor ich mich um 18:30 Uhr auf den Weg mit Bus und Fähre nach Koh Samui mache.
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Ich knie mich auf den Boden und halte mir die rosafarbenen
Blumen an die Stirn, die Mimi mir in die Hand gedrückt hat. Ich schließe meine
Augen und sage mir innerlich ungefähr 20 x hintereinander „Was mache ich hier
eigentlich?!“. Dann stehe ich auf und lege die Blumen in die große Schale zu
den anderen Sträußen und schaue Mimi fragend an.
„Joolia, du muss dir wünschen was du brauks im Moment“,
sagt Mimi und kniet sich erneut hin.
Ich folge ihr und setze mich erneut vor den goldenen
Buddha, der mit Plastikblumen in allen Farben geschmückt ist.
„Hier du hasse Stäbche. Muss du anmaken und wieder
wünsche was du brauk oder ib du has einige Sorgen“, fährt Mimi fort und reicht
mir drei Räucherstäbchen, eine kleine gelbe Kerze und 3 Blättchen Papier. Ich
entferne das rote Gummiband, das die Stäbchen zusammenhält und schmeiße es
zusammen mit den Blättchen in den Eimer, der auf dem Boden steht.
„Neeein Joolia, du hasse Gold für gloße Buddha
weggewolfen!“, schimpft Mimi, greift in den Eimer und drückt mir die Blättchen in
die Hand. „Du aufpasse jetzt!“, flüstert sie und zündet ihre Räucherstäbchen in
einem Vogelkäfig an, in dem in der Mitte eine große weiße Kerze platziert ist.
„Ups“, denke ich mir, zünde ebenfalls meine
Räucherstäbchen an und stecke sie in eine mit Sand gefüllte Schale zu den
anderen Stäbchen.
Dann gehe ich langsam barfuß auf den liegenden Buddha zu,
der von anderen Thailändern bedächtig mit je 3 Blättchen Goldpapier beklebt
wird. „Nun du hasse dlei Wünsche“, erklärt Mimi und drückt vorsichtig ihr
Papier an den Buddha-Kopf. Ich öffne vorsichtig das Pergament und entscheide
mich, je ein Goldblättchen an Kopf, Bauch und Beine zu kleben und wünsche mir,
dass meine Reise mir noch viele weitere spannende Erfahrungen ermöglicht, ich
gesund bleibe und wieder heil in Deutschland ankomme.
„Isse so schön oder?“, strahlt mich Mimi an und deutet
auf zwei grüne Löwen im Souvenier-Shop, der direkt am Fußende des Buddha
beginnt.
„Würde ich vielleicht als Türstopper im Keller oder
Abstellraum verwenden“, denke ich mir und erwidere dann leise: „Jaaa, total
schön“ und lächle sie an.
Ich versuche ebenfalls beeindruckt auszusehen, als Mimi
mir mit großen Augen die goldenen Plastik-Buddhaketten, die weinroten
Tigerfiguren, die kitschigen Blumenketten und die marmorfarbenen Eier
präsentiert.
Dann beschließe ich, ihr die grünen
Türstopper-Löwenzwillinge nachträglich zum Geburtstag zu schenken.
Sie kann ihr Glück kaum fassen und nimmt mich mit
glitzerden Augen in den Arm.
Ich bin hingegen angesichts des seltsamen Geschmacks
verwirrt, ziehe meine Sandalen an und klettere zurück ins Auto, wo bereits Ee
und Ning mit goldenen Plastik-Buddhaketten auf uns warten.
Wir besichtigen noch zwei weitere Tempel, in denen gleich
mehrere Buddhas in einer Reihe aufgebaut sind. Nachdem ich mich etwa 65 Mal
hingekniet und so getan habe, als würde ich beten, werfe ich 2 Bahnt durch eine
kleinen Schacht auf den Boden und wünsche mir dieses Mal, dass wir einfach
gleich weiterfahren und etwas anderes machen.
Wir fahren ein letztes Mal gemeinsam an den Strand.
Dort essen wir Fisch, den wir zusammen mit etwas
Thai-Basilikum, Koriander, Zitronengras und Erdnusssauce in Salatblätter
einwickeln und uns ohne Besteck in den Mund stecken.
Es ist das beste Essen, was ich bisher mit Mimi hatte und
ich esse fast einen ganzen Fisch alleine.
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„Du pass auf dich auf“, sagt Mimi und nimmt mich weinend
in den Arm.
Wir stehen im Dunkeln an der Bushaltestelle.
Ich drücke Mimi, Ee, Ning und Chow, bedanke mich für die
schöne Zeit und steige langsam in den gelben Bus mit der Aufschrift „Rayong –
Koh Samui“. Dann blicke ich nachdenklich aus dem Fenster, winke ein letztes Mal
und bin etwas traurig, dass meine Zeit mit Mimi und ihrer Familie vorbei ist.
Ich bin dankbar, dass ich das wahre Thailand kennen
lernen durfte.







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