Dienstag, 30. Dezember 2014

Hangover, Teil 3 - oder auch: Goodbye, Thailand

Ich habe in diesem Jahr noch nie so viel gefeiert und so wenig Schlaf gehabt wie in den letzten Wochen. Ich habe noch nie so wenig Sport gemacht, so häufig den Ort gewechselt und so viele seltsame Dinge erlebt wie hier. Ich habe noch nie in so kurzer Zeit so viele Ladyboys gesehen, so wilde Partys an so vielen Orten gefeiert, so viele seltsame Menschen getroffen, so viele Tränen gelacht und so viele unvergessliche Momente erlebt, von denen ich auch noch meinen Enkelkindern irgendwann lachend erzählen werde.

Ich werde es nicht schaffen, alles, was ich erlebt habe, in Worte zu fassen, aber ich denke, dass ich die unvergesslichsten Abschnitte mit euch teilen konnte.

Und hier kommt meine persönliche Hangover-Abschlussszene mit den unvergesslichsten Momenten in der Zusammenfassung:

Vermutlich sind dies die Thailand-Klassiker:

Der Moment, in dem du in einem Reisebüro nach dem Unterschied zwischen drei Touren fragst und die Antwort „Same, same, but different“ erhältst.

Der Moment, in dem bei einer Thaimassage zum ersten Mal eine Frau über deinen Rücken spaziert, die mindestens 20 kg mehr wiegt als du selbst.

Der Moment, in dem du von einem Mönch gesegnet wirst und ernst bleiben sollst obwohl du ihm einen Eimer als Geschenk überreichen sollst, in dem eine Dose Thunfisch, eine Flasche Shampoo, eine Flasche Gatorate, eine Rolle Klopapier, eine Taschenlampe, ein Stück Seife und Packung Batterien enthalten sind.

Der Moment, in dem dir die Hostelinhaberin mitteilt, dass der Weg zur nächsten Partylocation eine Stunde beträgt (faaaar away, maybe one hour).

Der Moment, in dem du die Strecke selbst googelst und feststellst, dass es nur 20 Minuten sind.

Der Moment, in dem du siehst, dass im Hostel hinter der Rezeption Kinder schlafen.

Der Moment, in dem du zum ersten Mal eine Ladyboy-Bar betrittst.

Der Moment, in dem du einen Ladyboy anschaust und auch nach einer Stunde noch verwirrt bist.

Der Moment, in dem dir ein Ladyboy ein Nacktfoto von sich auf seinem Handy zeigt.

Der Moment, in dem du einem Ladyboy auf der Toilette begegnest und verwirrt bist, dass eine Frau im Stehen pinkelt während du dir die Hände wäscht.

Der Moment, in dem du zum ersten mal siehst, dass das Babypuder auf der Frauentoilette tatsächlich dazu gedacht ist, das Gesicht weiß zu machen.

Der Moment, in dem du feststellst, dass sogar die Sonnencreme Weißmacher für ein „Super Baby Face“ (Wortlaut auf der Verpackung) enthält.

Der Moment, in dem du realisierst, wie viele europäische Männer sich mit jungen Thai-Frauen vergnügen.

Der Moment, in dem du zum ersten Mal einen Mentholstift aus einem Meter Entfernung inhalierst und dich fragst, wie sich die Thailänder den Stift in die Nase stecken können.

Der Moment, in dem du dir deinen ersten eigenen Mentholstift kaufst und es noch weniger verstehst.

Der Moment, in dem du realisierst, dass die Thailänder, die neben dir auf einem Boot sitzen, nicht 14, sondern 31 sind (Das muss die super Babyface Crème sein).

Der Moment, in dem du dich fragst, warum sie Kindershirts mit Comicfiguren tragen, obwohl sie 31 sind.

Der Moment, in dem du nach dem Preis fragst und noch bevor der Preis gesagt wird, „Ei gee juu discount“ gesagt wird.

Der Moment, in dem du den christmas discount, den happy new year discount oder einfach den happy discount erhältst, der natürlich NUR NOCH HEUTE gilt.

Der Moment, in dem du erfährst, dass die seltsamen Bällchen, die du gegessen hast, Hühneranus waren (dann lieber 96,4 % natural cheese).

Der Moment, in dem du auf einer Toilette das Schild mit der Aufschrift „Please take off your shoes“ entdeckst (Bitte was?!).

Der Moment, in dem du auf der Toilette ein buntes Handtuch, einen Schwamm und einen Eimer entdeckst (wofür bitte?!)

Der Moment, in dem du dich verdammt großzügig fühlst, weil du 25 Cent Trinkgeld gibst (ja, das ist verdammt großzügig!).

Der Moment, in dem du realisierst, dass es Seven-Eleven-Shops überall gibt. (Ja, überall. Sogar mitten im Zoo neben dem Tigergehege kann man Pudding-Toast und Hühneranusbällchen kaufen).

Der Moment, in dem du in einem Shop bist und realisierst, dass der Duschvorhang mit den Mangafiguren tatsächlich die Umkleidekabine sein soll.

Der Moment, in dem du begreifst, dass „Chicken no Name“ auf der Speisekarte tatsächlich der Name für ein Gericht ist, dass es nicht nur in diesem Restaurant gibt (ich hab so gelacht).

Der Moment, in dem du über das Securitypersonal am Flughafen lachen musst, als es mit einem Segway deinen Weg kreuzt.

Der Moment, in dem du dich fragst, wie man darauf kommt, aus Vogelnestern Suppe zu machen (ja, es gibt in Thailand birdnest soup. Sogar im Seven eleven!).

Der Moment, in dem du über „Solly no heb“ lachen musst, wenn es in einem Shop etwas nicht gibt, wonach du fragst.

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Weitere unvergessliche Momente:

Der Moment, in dem der Bildschirm eines Bankautomaten nachts plötzlich ausgeht während du Geld abheben möchtest und deine Karte noch im Automaten steckt.

Der Moment, in dem der Bildschirm wieder angeht (Puuuh.)

Der Moment, in dem du dich nach 2 Stunden im Meer umdrehst und realisierst, dass der Strand verschwunden ist, weil du die Tide vergessen hast.

Der Moment, in dem du feststellst, dass jetzt natürlich alle deine Sachen, die du am Strand abgelegt hast, im Wasser verschwunden sind (ich Depp).

Der Moment, in dem du zu dem Entschluss kommst, dass zum Glück nichts wichtiges dabei war, aber du jetzt kein einziges Handtuch mehr hast (Juhu).

Der Moment, in dem dir ein Restaurantbesitzer von seinem eigenen Menü abrät („Steak no good“) – DAS ist gelungenes Eigenmarketing

Der Moment, in dem du in einer Disko beim Feiern einem Thailänder begegnest, der gerade mit einem anderen Thailänder skypt, der gelangweilt auf seiner Couch mit einer Tüte Chips sitzt.

Der Moment, in dem du ins Bild tanzt und den Mann mit der Chipstüte anlächelst, als wäre er grad selbst auf der Party.

Der Moment, in dem der Mann mit der Chipstüte zurücklächelt (ja, an deiner Stelle würde ich mich auch ärgern, nicht auf dieser unfassbar guten Party zu sein),

Der Moment, in dem sich dein Travelbuddy bei zehn Thais mit einem Hühnergeräusch statt „Kop khun kap“ bedankt und alle zehn Thais mit einer Verbeugung und Kop Khun Kap antworten (unbezahlbar).

Der Moment, in dem dein Travelbuddy seine KFC Chicken Wings im Mc Donalds isst.

Der Moment, in dem er anfängt zu weinen, weil sie so scharf sind und du ihm ein Taschentuch organisieren musst (im McDonalds für das KFC Menü).

Der Moment, in dem du jemandem, der dir nachts Rosen andrehen möchtest, sagst, dass du „allergic to flowers“ bist und „Sorry, I understand“ als Antwort erhältst.

Der Moment, in dem du zum ersten Mal mit einem echten Party-Taxi fährst und während der Fahrt tanzt.

Der Moment, in dem der Taxifahrer des Party-Taxis von der Polizei angehalten wird, weil seine Musik zu laut ist.

Der Moment, in dem der Taxifahrer die Musik ausschaltet, dem Polizisten lächelnd zuwinkt und die Musik nach der nächsten Kreuzung wieder auf die maximale Lautstärke dreht (und jetzt weitertanzen).

Der Moment, in dem ein thailändischer schwuler Masseur deinen Reisepartner mit Öl massiert und du dich freust, dass du eine Massage von einer Frau bekommst.

Der Moment, in dem der schwule Masseur auf seinem Handy die Musik anmacht und du dir anschauen darfst, wie er den Rücken deines Reisepartners massiert während ihr „Quit playing games“ von den Backstreet Boys und „I will always love you“ von Whitney Houston hört.

Der Moment, in dem nach einer Pediküre ein Mini-Ventilator vor deinen Füßen aufgebaut wird, um den Nagellack zu trocknen.

Der Moment, wenn du um 3 Uhr nachts an einem einsamen Strand nackt baden gehst und sich plötzlich ein Pärchen knutschend zufälligerweise 1 Meter neben dein Kleidungsversteck setzt und nicht wieder verschwindet so dass du nackt deine Sachen wieder einsammeln musst („Hey ihr…das Wasser ist voll warm…solltet ihr unbedingt auch mal testen!“)

Der Moment, in dem du über ein Tattoo lachen musst während der Typ, der das Tattoo bekommt, noch seinen Arm hinhält (noch nie so einen schiefen Schriftzug gesehen…sorry).

Der Moment, in dem du dir deinen ersten Pfannkuchen bei „Ali’s best pancake“-Wagen kaufst.

Der Moment, in dem du realisierst, dass Ali deinen Pfannkuchen mit einer Machete in Stücke schneidet (das sieht professionell aus).

Der Moment, in dem du Ali’s Konkurrenz „Amun’s best pancake“ entdeckst und dich über die Kreativität bei der Namensfindung freust.

Der Moment, in dem du zum ersten Mal Beerpong gegen 2 Irländer spielst und bei jedem Treffer jubelnd durch die Bar rennst.

Der Moment, in dem du in einer Bar eine „Wall-of-Fame“ mit Fotos und Widmungen von Europäern für thailändische Frauen findest.

Der Moment, in dem du auf die einzige freie weiße Karte „Ziemlich widerlich“ unter ein Foto schreibst (denn sie wissen nicht, was es bedeutet…).

Der Moment, in dem sich die Barbesitzerin für deine Widmung bedankt (voll nett von euch, dass jetzt auch auf dem letzten freien Polaroid etwas steht!)

Der Moment, in dem du in einem Shop bist und realisiert, dass der Inhaber tatsächlich hinter der Kasse auf seinem Laufband joggt.

Der Moment, in dem du Geld wechseln möchtest und realisierst, dass die Mitarbeiterin gerade hinter der Glaswand an der Kasse Yoga macht (hoffentlich springt mir jetzt nicht auch noch eine Ballerina aus der Duschvorhang-Kabine entgegen).

Der Moment, in dem du von der thailändischen Polizei angehalten wirst, weil du keinen Helm auf dem Roller trägst und zur Strafe umgerechnet 2,50 € zahlst und als Dankeschön für ein Selfie mit der Polizei sogar einen Gratis-Helm erhältst (das ist fast so schlimm wie die 5,30-€-Strafe)

Der Moment, in dem du bei 37°C Außentemperatur Thailändern mit solchen seltsamen Wollmützen begegnest, mit denen du in Deutschland nicht einmal deine Klopapierrolle warmhalten würdest.

Der Moment, in dem du realisierst, dass Thailänder von ALLEM ein Foto machen (ja, sogar von Toilettenschildern).

Der Moment, in dem dich eine thailändische Schülergruppe fragt, ob sie dir eine Bangkok-Rundführung geben darf.

Der Moment, in dem dir 15 thailändische Schüler folgen und mit 15 iPhones alles filmen.

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Auch gesehen:

- eine Giraffe namens Bin Laden im „Bangkok Zoo“ („Bin Laden is fearless, aggressive and always enjoys eating“) – kein Scherz!
- einen Hund im Bienenkostüm

- einen Hund im Thailand-T-Shirt
- einen Hund im Weihnachtsmannkostüm
- einen Hund im Pandakostüm
- einen Hund im Prinzessinenkostüm
- unzählige seltsame Schilder
- 6-Jährige, die Roller fahren
- 5 Thailänder auf einem Roller
- Toilettenpapier auf dem Restauranttisch (nur auf dem Restauranttisch, aber auf keiner Toilette)
- ein Shirt mit 8 Skeletts und der Aufschrift „Happy Life“
- (männliche!) Mitarbeiter am Flughafen mit rosa Shirts und dem Aufdruck „BABE“ (so langsam verstehe ich, warum alle Ladyboy werden wollen)
- ein Armband mit der Aufschrift „I have aids“ (Wer trägt sowas?!)
- mindestens 200 Thais, die von Mentholstiften abhängig sind
- mindesten 200 verletzte Backpacker, die vom Roller gefallen sind
- hundert Thailänder, die kein Englisch verstehen, aber in einer Travel Agency arbeiten (Solly..dont know)

Ich hatte eine großartige Zeit mit vielen Backpackern, die ich vielleicht irgendwo und irgendwann auf der Welt und weiteren Reisen wiedersehen werde.

Eine Zeit, in der ich mal wieder „mehr als geplant“ erlebt habe.

Eine Zeit, in der ich echtes Thai-Leben und Backpackerchaos genießen durfte.

Und gleichzeitig auch eine Zeit, die mir deutlich gemacht hat, dass ich nicht noch einmal für ein ganzes Jahr aus einem Rucksack leben muss, um viel von der Welt zu sehen, weil man auch in wenigen Wochen unglaublich viel erleben kann…

…aber nur, wenn man bereit ist, den Moment zu leben ohne alles totzuplanen, sich auch mal spontan umentscheiden kann und vor allem mit offenen Armen durch die Welt rennt, um die Geschenke zu fangen, die einem das Leben gibt!

Meine Reise nach Thailand wird ganz bestimmt nicht meine letzte Reise sein, aber es war definitiv wieder ein ganzer Sack voller Glücksmoment-Geschenke, die mein Leben mir zugeworfen hat.

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