Samstag, 27. Dezember 2014

Koh Phi Phi und Phuket

Nach zwei entspannten Tagen auf Koh Lanta erhalte ich eine Nachricht von Bart, der ein paar Mal mit mir auf Koh Tao gefeiert hat. „Hey crazy German, it’s so boring on Koh Tao. I wanna come to Koh Phi Phi and party with you.” “Das wird definitiv lustig”, denke ich und buche direkt eine Fähre.Wir verabreden uns für den nächsten Tag am Hafen.

Koh Phi Phi, 10.13 Uhr. Ich sitze am Hafen in der Sonne und frage mich, wo Bart bleibt. Lasse mir von seltsamen Ladyboys und dünnen Thailändern bunte Zettelchen für „Super cheap boat trips“, „Super deals“ und „Extra special offers (today only)“ in die Hand drücken. Spaziere ein wenig über den heißen Sand und versuche, ein Foto der bunten Boote zu schießen ohne dabei gleichzeitig zehn Thailändern oder Touristen auf meinem Bild einzufangen. Setze mich auf eine Mauer und beobachte andere Backpacker, die mit in Mullbinden gewickelten Armen und Beinen oder krebsroter Haut die Boote verlassen. Halte mein Gesicht in die Sonne, schmiere meine Arme und mein Gesicht vorsichtshalber erneut mit Sonnencreme ein…und frage mich immer noch, wo Bart bleibt. Eigentlich hätte er längst ankommen müssen.

Als Bart eine Stunde später immer noch nicht da ist, beschließe ich, ein Café zu suchen, wo ich ins Internet gehen kann, um ihm zu schreiben. 2 Milchkaffees und 4 Kaffees später habe ich endlich ein Café gefunden, das wirklich WLan hat und nicht nur damit wirbt, um naive Backpacker wie mich anzulocken, die sich allein auf ein WLan-Hinweisschild verlassen und dann automatisch und aus purem Pflichtbewusstsein trotzdem auf einen Kaffee bleiben.

Jetzt bin ich auf jeden Fall zu 96,4 % wach.

Ich schaue auf mein Handy. 52 ungelesene Nachrichten in 12 Chats.

Und eine Nachricht von Bart: „Hey Julia, some crazy Thai taxi driver scammed me. I nearly got arrested cause he called the police when I became angry.” “Typisch Bart”, denke ich nach unserer verrückten Partynacht und frage ihn, wie er das angestellt hat und was jetzt sein und somit auch mein Plan für den Rest des Tages ist.

Bart erklärt, dass er fast im Gefängnis gelandet sei, weil der kleine thailändische Taxifahrer ihn in Krabi nicht wie vereinbart zur Fähre fahren wollte und dann die Polizei gerufen hat, als Bart wütend geworden ist. Aber dass er die 5,30 € Strafe (FÜNF EURO DREißIG?!) an die Polizei natürlich brav gezahlt hat, ich mir keine Sorgen machen soll und er um 12 am Hafen sein wird.

Das war bestimmt auch so ein Major-Safari-Taxi mit der „Best Tour in Town“ wie in Koh Samui, denke ich zurück und grinse. Zeit für die fehlenden 3,6% Koffein in meinem Blutkreislauf.

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„Sooo nice to see you again“, sagt Bart und hüpft mir um 12:20 Uhr lachend am Hafen entgegen. Ich freue mich wie ein kleines Kind an Weihnachten, dass ich offensichtlich nicht die Einzige bin, die ein Talent dafür hat, in seltsame Situationen zu geraten.

Die kommenden Tage sind geprägt von Party, Strand, Sonnenschein, seltsamem Thai-Essen und unzähligen Momenten, in denen ich Tränen lache. Wir amüsieren uns über mentholstiftsüchtige Thailänderinnen auf einer Bootstour, schnorcheln durch kristallklares Wasser, freuen uns über die sympathischen Ladyboy-Mitarbeiter mit dem türkisfarbenen Shirt im Charlie Beach Resort (sie sind wirklich ÜBERALL!) und genießen die Cocktailabende mit unseren bunten Eimerchen in der „Fight Bar“ und der „Beer Pong Bar“. Schauen zu, wie sich bescheuerte Backpacker für einen Gratis-Cocktail von englischen Hooligans umhauen lassen und sind froh, dass wir nicht selbst in den Ring steigen müssen. Treffen verrückte Backpacker, die nachts auf der Straße spontan ein Lied über uns und die Rollerfahrer singen, sitzen pizzaessend auf dem Bürgersteig der kleinen Gassen und erwerben endlich unseren ersten eigenen Mentholstift im SevenEleven, um uns noch ein bisschen mehr zu wundern, wie man sich so einen Mist in die Nase stecken kann.

Reisen mit der Fähre von Koh Phi Phi nach Phuket. Fahren mit überfüllten Taxis und feiern in Clubs, in denen Artisten im Neonkostüm mit Gummiseilen von Gerüsten an der Decke fallen. Laufen durch Straßen, die mit bunten Jahrmarktlämpchen und Glitzerpalmen so stark geschmückt sind, dass ganz ohne irgendwelche Fahrgeschäfte ein größeres Kirmesfeeling als auf dem Gallimarkt aufkommt. Tanzen uns durch Bars, in denen europäische Männer Mitte 60 knutschend ihren Arm um 20-jährige Thailänderinnen legen und realisieren irgendwann, dass die verrückte Thai-Welt nicht Erfindung irgendeiner kreativen Bilderbuchautorin, sondern absurde Wirklichkeit ist.

Welcome to Phukeeeeeet town (Pukiiiiiiiitauuuuun).

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